Horror Pop Sounds - Kassettencover Horror Pop Sounds - Detail

Horror Pop Sounds - Detail

Luzifer und der Discomunculus sind nicht die einzigen, die es schafften, auf der "Horror Pop Sounds" aufzutreten, ohne jemals in der Gruselserie mitgewirkt zu haben: Auf der LP-Version des Covers wurde am linken Rand das Gesicht einer Frau plaziert (besten Dank an Dr. Shaitan für diese etwas deutlichere Detailaufnahme), die der Gruselserienkenner eben nicht kennt - zumindest nicht von der Gruselserie ... Drei Jahre hing das Bild hier als "Fahndungsplakat" aus; seit geraumer Zeit gab es einige Theorien zur Herkunft der Dame, und es tauchten immer wieder neue mögliche Vorlagen auf: nach einem Szenenfoto aus "The Birds" (Alfred Hitchcock, 1963) und einer nicht näher identifizierten Dame vom Cover des Super 8-Streifens "In der Gewalt der Riesenameisen" fand sich nun jenes Motiv, welches ohne Zweifel das Original darstellt und höchstwahrscheinlich über den Umweg einer Kopie in Form des Super 8-Motives auf die neongrüne LP-Hülle gelangte.

Das Rätsel des silbernen Dreieck - Detail des Filmplakats Das Rätsel des silbernen Dreieck - Aushangfoto

Bei der Dame auf dem Plakat des Edgar-Wallace-Streifens "Das Rätsel des silbernen Dreieck" (BRD/GB, 1966 - Vollbild / Italienische Version) handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um "Gina", gespielt von der Britin Margaret Lee (Links zum Film, siehe unten).
Natürlich unterscheiden sich Original und Kopie in ihrer Frisur, doch eben dies ist wohl ein Indiz dafür, daß der Illustrator der Gruselserie einen Umweg ging und - wahrscheinlich ohne es zu wissen - eine Margaret-Lee-Kopie kopierte, nämlich eine Zeichnung auf der von Dr. Shaitan entdeckten Super 8-Ausgabe (Ufa, 1980) des Films "In der Gewalt der Riesenameisen" (USA, 1977):

In der Gewalt der Riesenameisen - Detail des Covers (Super 8)

Versetzt man beide leicht schockiert wirkenden Damen in einen gespiegelten Zustand, so kann folgende Reihenfolge angenommen werden:

Das Rätsel des silbernen Dreieck - Gespiegeltes Detail des Filmplakats In der Gewalt der Riesenameisen - Gespiegeltes Detail des Covers (Super 8) Horror Pop Sounds - Detail

Während alle anderen auf dem LP-Cover der "Horror Pop Sounds" abgebildeten Gestalten von Illustrationen der Gruselserie her bekannt sind, hat diese Frau nichts mit den uns bekannten Kassettenhüllen zu tun. Und doch gelang es ihr, ein Bild von sich als Füllmaterial neben der Monsterspinne, Kapitän Humunk und Frankensteins Monster unterzubringen. Da stellt sich doch die Frage: Warum? Dr. Shaitan erklärt sich das so:

"Ich bin ziemlich sicher, daß das Gesicht von einem nicht verwendeten Entwurf für das ANGRIFF DER HORROR-AMEISEN-Cover stammt. Ich denke, sowohl H.G. Francis als auch der Cover-Zeichner haben sich an dem Film IN DER GEWALT DER RIESENAMEISEN orientiert. Es gibt nämlich einige Gemeinsamkeiten zwischen dem Film und dem Hörspiel, die diesen Zusammenhang meiner Meinung nach bekräftigen:
1. Der Titel und das Thema des Filmes selbst
2. In Film und Hörspiel ist Radioaktivität die Ursache des Unheils.
3. Der Untertitel des Filmes lautet "Horror, Horror, Horror!". So wurden aus RIESEN-Ameisen einfach HORROR-Ameisen.
4. (und jetzt wird es etwas subtiler:) Sowohl im Film, als auch im Hörspiel gibt es einen Sheriff; und beide werden von WOLFGANG VÖLZ gesprochen!
5. Im Hörspiel gibt es eine Dame namens Joanne. Die Titelrolle des Films spielt JOAN Collins (auch bekannt unter dem hübschen Namen "Das Denver-Biest"). O.K., diese These steht auf etwas wackligen Beinen ..."

Weiterführende Links:
"Circus of Fear" (imdb.com)
Das Rätsel des silbernen Dreieck (deutscher-tonfilm.de)
Klaus Kinski: "Circus of Fear" (1996)
"Circus of Fear" / "Psycho-Circus" (Evilskip's Movie Joint)
"Circus of Fear" / "Psycho-Circus": Standfotos (Evilskip's Movie Joint)

 

(Wohl überholte) Theorie: das Szenenfoto aus "The Birds"

Horror Pop Sounds - Detail The Birds - Foto

Die andere These, daß die Dame von Alfred Hitchcocks "The Birds" abstammt, scheint zwar zu den Akten gelegt werden zu können, soll hier aber weiterhin dokumentiert bleiben.

Thomas Schwettmann war der Ansicht, es mit einem der bekanntesten scene shots aus Alfred Hitchcocks "The Birds" (1963) zu tun zu haben. Zu sehen ist - so meinen viele - Tippi Hedren alias Melanie Daniels, wie sie sich im Wohnzimmer der Familie Brenner der durch den (rechts oben angedeuteten) Kamin eingedrungenen Vögel erwehren muß. [Ob es sich bei der auf dem Foto gezeigten Dame um Tippi Hedren handelt, wurde vereinzelt angezweifelt. Mehr dazu siehe unten.] Bei dem hier präsentierten Motiv handelt es sich um das kolorierte Originalfoto. Da das Motiv jedoch auch in gemalten Variationen existiert, ist nicht unbedingt sicher, welcher Version sich evtl. der Gruselserienzeichner bediente. Wir gehen einfach mal von dem Foto aus, und da gibt es einige Parallelen - aber auch Unterschiede.

Die Augenbrauen und das Auge wurden leicht verändert - verzerrt, möchte man fast meinen, sie sind einander aber dennoch sehr ähnlich. Identisch ist neben der Gesichtsform auch die Form der Nase (mag der eine Nasenrücken auch einen Schatten werfen) und des Mundes, auch wenn die Zunge durch die unteren Zähne ersetzt wurde. Das einzige Detail, das absolut nicht übereinstimmt, sind die Haare auf der Stirn, welche in eine ganz andere Richtung fallen - überhaupt ist die Dame im Vergleich zu Mrs. Brenner ordentlich gekämmt. Es ist natürlich nicht auszuschließen, daß der Zeichner sich nur beim Gesicht bei Tippi Hedren bediente, ihr dann jedoch völlig andere Haare überstülpte. Dennoch verblüffen zwei Details der Haarpartie über dem (vom Betrachter aus gesehenen) rechten Ohr: Zum einen wirft zwischen Miss Hedrens Handballen und Auge eine Strähne einen Schatten, der sich auch bei der abgezeichneten Dame wiederfindet. Zum anderen verläuft, dort wo bei Tippi Hedren die Handfläche auf den Haaren aufliegt, bei der gezeichneten Dame die Grenze zwischen im Schatten liegenden und hellerem Haar, als sei die Hand abgeschnitten und durch einen anderen Haar-Baustein ersetzt worden ...

Wie oben bereits erwähnt: Während alle anderen auf dem LP-Cover der "Horror Pop Sounds" abgebildeten Gestalten von Illustrationen der Gruselserie her bekannt sind, hat diese Frau nichts mit den uns bekannten Kassettenhüllen zu tun. Und doch gelang es ihr, ein Bild von sich als Füllmaterial neben der Monsterspinne, Kapitän Humunk und Frankensteins Monster unterzubringen. Auch Thomas Schwettmann hat sich diese Frage gestellt und gelangte zu einer ganz eigenen Theorie:

"Ob der gute Hans Gerhard wohl einen Grusel mit Vögeln in Planung hatte? Hatte er tatsächlich, wie die entsprechenden Szenen in Nr. 13, 'Das Monster auf der blutigen Spur', zeigen. Möglicherweise hatte er dem Zeichner der Cover (weiß man eigentlich schon, wer das war?) [Anm.: Leider nicht!] ein(e) rein ornithologische(s) GruselEi in Aussicht gestellt, so daß sich dieser schon bei Hitchcock bedient und ein entsprechendes Cover entworfen hatte, welches dann später nicht mehr benutzt wurde, in der Horror-Pop-Sounds-Collage aber noch zu Verwendung kam?"

Zu guter Letzt folgen nun Thomas' Ausführungen zum Gelehrtenstreit "Tippi oder Jessica":

"Wer die schreiende Frau nicht als Tippi Hedren (die Melanie Daniels spielte), sondern als Jessica Tandy (in der Rolle der Lydia Brenner) identifiziert, geht dem seligen Mr. Hitchcock auf dem Leim. Auch ich kenne diese Theorie, die ich hier zunächst nochmals aus einem Buch von Camille Paglia zitierend wiederholen möchte: "A still of this scene, were Lydia [Jessica Tandy] beats frantically with both hands at the birds caught in her hair, was so effective that it was used on the movie poster, whose hysterical woman has been universally misidentified (thanks to the retinting of the hair to blonde and the suit to green) as Melanie Daniels [Tippi Hedren]. Because screaming makes Tandy's face look strangely younger, the frosty mother and her female rival seem to have physically merged - not unlike Psycho's final fusion of mother and son.'
Nun ja, wenn Schreien tatsächlich jung erhalten würde, gäb's bestimmt schon die Fitness-Wellen Scream and Scream again oder Carry on Screaming. Offenbar geht Paglia davon aus, das Foto stamme aus dem Film, da die Bekleidung, erkennbar an dem Schnitt und der rauhen Stoffart, der Halskette und dem Reif ums Handgelenk, tatsächlich von Jessica Tandy in der ersten Vögel-Attacke im Erdgeschoß des Hauses getragen wird und sie sich dabei links vom Kamin aufhält. Bloß - das Standfoto ist kein Szenenfoto aus dem Film: Vielmehr ist es ein sorgfälltig inszeniertes Werbefoto mit dem Hitchcock ein Image transportieren wollte, an das er schon bei der Planung des Films gedacht hat, nämlich Edward Munchs Gemälde "Der Schrei": von ihm selbst gibt es ähnliche Fotos wie er schreiend neben dem Trautonium steht, auf dem die künstlichen Schreie erzeugt worden sind.
Wenn man sich das Foto genau anguckt, sind alle Vögel auf der Aufnahme ziemlich passiv im Hintergrund, und die Frau steht einfach davor und blickt völlig in die Leere, so daß es eigendlich gar kein Grund gäbe, hysterisch loszukreischen - völlig anders als in der entsprechenden Filmszene, wo vor Jessica Tandy jede Menge einkopierter Vögel durch den Raum schwirren. Tatsächlich hat Hitchcock für dieses Foto Tippi Hedren in Tandys Kleidung gesteckt, was sie auf einem Farbfoto in einen blaugrauen Blazer gezeigt hätte und weshalb stattdessen ein grün eingefärbtes Schwarzweißfoto verwendet wurde. Frage: Und warum diese Inszenierung der vertauschten Identitäten? Antwort: Um sein Publikum zu mystifizieren. Er benutzte den gleichen Trick auch im Trailer zu "Psycho". Dazu folgender Ausschnitt aus dem Buch von Janet Leigh: "Die verschlungene Vorschau enthält keine einzige Szene aus dem Film und endet mit einer Nahaufnahme einer schreienden Vera Miles (mit einer Kurzhaarperücke, die aussah wie meine Frisur. Später gestand Hitchcock, daß diese letzte Einstellung eine gezielte Irreführung war, die er jedoch gerechtfertigt fand. Er mußte sowohl Veras als auch meine Rolle mit einem Rätsel umgeben." Und das ist auch die Lösung des Rätsels von der schreienden Frau: Sie ist Tippi Hedren, aber nicht Melanie Daniels."

 

(Wohl überholte) Theorie: "In der Gewalt der Riesenameisen" und "The Birds"

The Birds - Foto In der Gewalt der Riesenameisen - Detail des Covers (Super 8)

Steffen kombiniert beide Theorien miteinander:
"Der Film Die Vögel von Hitchcock ist ein zeitloser Klassiker, mit dem nahezu jeder etwas anfangen kann. Das Szenenfoto mit Tippi Hedren war zudem auch recht bekannt, was die Macher des Films In der Gewalt der Riesenameisen, auf der Suche nach einem geeigneten Horror-Gesicht für das Cover, inspirierte, so dass sie es zu dem Zweck etwas abwandelten. Die Grundelemente des Bildes blieben aber die gleichen (Schreck, Panik, Angst etc.). So schaffte es das Tippi-Hedren-Motiv in abgewandelter Form auf das Cover. Zu guter Letzt kann man nun Theorie Nummer 2 von Dr. Shaitan wieder aufnehmen: H.G. Francis kannte das Cover/Film In der Gewalt der Riesenameisen oder ist auf der Suche nach einem Motiv darauf gestoßen ... Hiermit wären beide Theorien zu einer Gemeinsamen zusammengeführt."

Dr. Shaitan meint hierzu: "Eine hochinteressante Theorie - die durchaus zutreffen könnte. Die Dame ist meiner Meinung nach nicht einer Darstellerin des Films zuzuordnen. Die Zeichnung ist wohl nur eine zusätzliche Deko für die UFA-SUPER 8-Veröffentlichung. Die Ameise oberhalb des Gesichts ist jedenfalls eindeutig vom Original-Kinoplakat abgemalt. Mit viel Fantasie könnte die Dame Joan Collins sein; aber ich denke eher nicht. Daß das Vögel-Bild als Vorlage diente, ist nicht auszuschließen."

Thomas Schwettmann sagt: "In der Tat dürfte das Cover ein Mix aus beiden Motiven sein, der Film-Zeichner hat sich wohl bei Hitchcock bedient und Joan Collins Gesicht dann den bekannten Image aus 'Die Vögel' angepaßt. Ich habe den Video-Film 'In der Gewalt der Riesenameisen' noch einmal im schnellen Durchlauf nach den infrage kommenden Szenen durchsucht - das gezeichnete Portrait ist demnach keiner Szene nachempfunden. Auch das Standfoto (s.u. eine passende Ausschnittsvergrößerung, das vollständige Foto hängt hier) ist - falls nicht herausgeschnitten - kein Filmszenenbild, in der Konfrontationsszene nach der Bootskanalfahrt kommt die Ameise Joan Collins nicht so nahe wie auf dem Foto, auch hält sie sich dort meistens die Hand vor den Mund. Insofern dürfte sich also der wahrscheinlich durch das Foto inspirierte Verpackungskünstler an Hitchcock erinnert und das Vögel-Image einfach an Joan Collins angepaßt haben. Woraufhin der Gruselserienzeichner dann die Dunkelhaarige wieder in eine Platinblonde á la 'Vögel' zurückverwandelte."

In der Gewalt der Riesenameisen - Szenenfoto (Detail)

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© Die Gruselseiten (25. April 2002)