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 Fledermäuse 
"Ob es ... ob es richtige Wölfe sind? Oder sind es die Geister der Wilderer?"
(Elke Wille in "Der Pakt mit dem Teufel")

Schloß Der Stocknudel

Da die Klagen über das Unwesen der vier in Wölfe verwandelten Brüder nicht aufhörten, sondern immer wieder beim Pfleggericht zu Moosham einliefen, wurde öfters Jagd nach ihnen gemacht. Doch schien dies alles vergeblich zu sein, denn jedesmal, wenn sie in die Enge getrieben wurden, verwandelten sie sich mit Hilfe des Bösen in Baumstrünke und andere Gegenstände und waren so dem Blicke des Jägers entzogen. Bei einer solchen Jagd geschah es, daß ein Jäger beim Durchstreifen des Forstes sein mit drei Kreuzen versehenes Messer in einen Baumstrunk steckte. Als er dies tat, sah er zu seinem nicht geringen Erstaunen, aus dem Baumstrunk hellrotes Blut hervorsickern. In dem Baumstrunke steckte nämlich einer der vier Brüder, und zwar "der Stocknudel", welcher die teuflische Verblendung nun nicht mehr länger bestehen konnte und daher gefangen und nach Moosham eingeliefert wurde. Dort wurde er in den für die Hexen und Zauberleute bestimmten Turm, den Hexenturm, gesperrt, wo er in einen der geweihten kupfernen Kessel getan und in demselben aufgehangen wurde. Dies geschah, damit sie den Erdboden nicht berühren und so mit dem Teufel keine Verbindung eingehen konnten, der sie sonst befreit hätte. Doch dem "Stocknudel", der sich lieber draußen in den dunklen Wäldern umhertrieb und zudem ein mächtiger Zauberer war, schien dieser unfreiwillige Sitz nicht behagt zu haben; denn eines Tages war er aus dem Hexenturm verschwunden. Man sagt, er habe sich (natürlich wieder mit Hilfe des Bösen) in eine Maus verwandelt und sei unter dem Gemäuer des Turmes hindurchgekrochen. - Später wurde er samt seinen drei Brüdern an der Sandbrücke (bei Lintsching) eingefangen und nach Moosham gebracht, um als Zauberer am Paßeggen hingerichtet zu werden. Seither wird von den Holzhackern jedesmal beim Fällen eines Baumes auf der Oberfläche des Baumstrunks mit der Axt ein Kreuz eingehauen, ein heute noch üblicher Brauch, damit, wie man sagt, der Teufel darauf nicht rasten und keinen Zauberspuk vollführen könne.

Michael Dengg: Lungauer Volkssagen, Mauterndorf 1973, S. 216f.

 

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© Die Gruselseiten (27. Mai 2001)