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 Fledermäuse 
"Ein Reiter! Da ist ein Reiter!"
(Elke Wille in "Der Pakt mit dem Teufel")

Schloß Das Gelöbnis des Ritters

Einst ritt der mächtige Schloßherr von Moosheim, Ritter von Thannhauser, aus weiter Ferne kommend, seinem Schlosse zu. Schon sah er die stolze Veste hoch droben am Mitterberg aus dunklem Tannengrün emporragen. Eine Stunde noch, und er sitzt daheim bei seinen Lieben inmitten der Mauern seines Felsenschlosses. Voll Freude darüber, trieb er sein müdes Rößlein zu größerer Eile an. Inzwischen aber hatte sich, vom Ritter wenig beachtet, der Himmel verfinstert und ein heftiges Gewitter begann sich über die Gegend zu entladen. Wolkenbruchartig stürzte der Regen hernieder, die kleinen Gebirgsbäche schwollen an und stürzten in ihrer ungebändigten Wildheit reißenden Strömen gleich ins Tal, dem Murflusse zu. Dieser selbst, zu einem mächtigen Strom angewachsen, konnte die ihm zuströmenden Wassermassen nicht mehr fassen und, aus den Ufern tretend, ergossen sich die reißenden Fluten über die fruchtbaren Gefilde des Murtales. Es dauerte nicht lange, so verwandelte sich das ganze Talbecken um St. Margarethen in einen einzigen See. Der Ritter war durch dieses jähe Hereinbrechen des Ungewitters in eine sehr gefährliche Lage gekommen, denn die allseits heranstürzenden Fluten drohten ihn samt seinem Rößlein zu verschlingen. Angstvoll spähte er in der Gegend nach Hilfe aus. Doch nirgends gewahrte er eine solche und er sann nach, wie er sich aus dieser Bedrängnis erretten könnte. Da sah er in einiger Entfernung einen kleinen Hügel emporragen, den das Wasser noch nicht erreicht hatte. Dorthin lenkte er nun sein Rößlein. Als er den Hügel erreicht hatte, von wo aus er, den Blick umhersendend, sah, wie rings das Wasser sich hob und er mit seinem Rößlein mitten drinnen sich befand, da entblößte er sein Haupt, fiel auf die Knie und flehte zu Gott und den heiligen vierzehn Nothelfern um Hilfe und Rettung. Dabei machte er das Gelöbnis, falls er aus dieser Ertrinkungsgefahr errettet werde, an dieser Stelle eine Gedenksäule zu errichten. Und siehe, sein Gebet ward erhört. Der Regen ließ nach, die Wasser fielen, und bald konnte er das letzte Stück Weges zu seinem Schlosse ungefährdet zurücklegen. Die Votivsäule ist heutigen Tages noch an jener Stelle zu sehen, wo Ritter von Thannhauser in Lebensgefahr geschwebt.

Michael Dengg: Lungauer Volkssagen, Mauterndorf 1973, S. 106ff.

 

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© Die Gruselseiten (27. Mai 2001)