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 Fledermäuse 
"Das ist ja Blut!"
(Elke Wille in "Der Pakt mit dem Teufel")

Schloß Die Blutschande von Moosham

In einem Zimmer des unteren Schlosses befindet sich ein Freskogemälde, welches vier Personen, zwei männliche und zwei weibliche, in Brustbildern zeigt. Das Bild zur Linken stellt ein Mädchen mit fliegenden Kopfhaaren und kummervollem Gesichte, darüber sich eine Elster befindet, dar. Daneben ist ein Mann, angetan mit einem auf der Brust geöffneten Hemde. Seine Gesichtszüge drücken Verzweiflung und Gram aus. Über ihm sitzen zwei Raben, von denen der eine nach dem Kopfe des Mannes pickt. Die dritte Person ist ein Mädchen mit unschuldsvollem, wunderlieblichem Antlitze. Ein reiches blondes Haargeflecht zieht sich unter dem Hut an den Schläfen herab. Das letzte Bild zeigt einen Menschen von verwildertem Aussehen. Schadenfreude liest man aus seinem Gesichte. Er hat den Daumen zwischen den Zeige- und Mittelfinger gesteckt und blickt mit einem Gesichte, das Hohn und Spott ausdrückt, zu dem ihm gegenüber befindlichen Manne hinüber. Über diese seltsame Bildergruppe geht im Volke folgende Sage:
Es waren zwei Brüder aus dem Rittergeschlechte von Moosham, welche zwei Schwestern hatten. Beide Brüder verliebten sich in die eine der Schwestern, über welcher die geschwätzige Elster als Zeichen, daß nichts verborgen bleibt, sich befindet. Der ältere fand Gegenliebe; höhnend wies er dem jüngeren den Daumen. Dieser, der sich in seiner Leidenschaft betrogen sah, geriet darüber in förmliche Raserei. Seiner selbst nicht mehr mächtig, ermordete er den Bruder und stürzte sich dann aus Verzweiflung über seine eigene Untat vom hohen Söller auf den felsigen Grund des Burggrabens hinab, wo er mit zerschmetterter Hirnschale liegen blieb, den Raubvögeln zur willkommenen Beute dienend.

Michael Dengg: Lungauer Volkssagen, Mauterndorf 1973, S. 92f.

 

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© Die Gruselseiten (27. Mai 2001)